Fassade und Straße · die Nachfolge

Hoher Weg 27

Das Geschäft ist verschwunden. Die Überlieferung bewahrt seine Ecke, den glasüberdachten Innenraum, seine öffentliche Stimme und den Namen, der Reichenbach unter der NS-Herrschaft ersetzte.

Die Bauakte · 1913 und 2004

Die Fassade ist durch die Bauüberlieferung bekannt.

Die 2004 veröffentlichte Tafel von Lüdemann und Kröger rekonstruiert den verbundenen Grundriss und die Straßenansichten aus den städtischen Bauakten Halberstadts, deren Zeichnungen von November 1910 bis Dezember 1913 reichen. Sie ist eine wissenschaftliche Rekonstruktion, keine originale Aufmaßzeichnung von 1913. Das gesonderte KI-Fassadenbild des Archivs ist eine interpretierende Darstellung; es ist weder Scan noch Faksimile.

Monika Lüdemanns Studie von 2004 rekonstruiert den verbundenen Grundriss und die Straßenansichten von 1913 für Hoher Weg 27 und Martiniplan 10; Nicola Kröger zeichnete sie nach den genannten städtischen Bauakten.RB-PHO-0020

Eine wissenschaftliche Rekonstruktion

Eine Tafel verbindet Hoher Weg und Martiniplan wieder.

Monika Lüdemanns Studie ordnet den verbundenen Grundriss über den Ansichten von Hoher Weg und Martiniplan an. Die Tafel nennt Lüdemann für die Rekonstruktion und Nicola Kröger für die Zeichnung; die Folgeseite verweist auf Stadtarchiv Halberstadt, Stadtbauamt 2/2485 und 2/2486.

Die Tafel ist als transparent ausgewiesene Sekundärrekonstruktion aus diesen Akten zu lesen. Genaue Maße und Linienführung gehören weiterhin den städtischen Originalzeichnungen.

KI-Rekonstruktion · interpretierend, kein Originalscan

KI-Rekonstruktion der Fassadenzeichnung von J. Reichenbach von 1913Rekonstruktion und Herkunft · 2 AnsichtenKI-Rekonstruktion der Fassadenzeichnung von J. Reichenbach und HerkunftsansichtAuf die gekennzeichnete Interpretation von 2026 folgt die Museumsausstellung, die die Stadtbauamt-Akten 2/2485 und 2/2486 nennt. Genaue Einzelheiten müssen am Original geprüft werden.Alle Ansichten öffnen

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KI-Rekonstruktion nach dem Fassadendokument vom Dezember 1913 für J. Reichenbach am Hohen Weg 27; dies ist kein Scan des Originals.RB-PHO-0321
Eine Museumsausstellung nennt die städtischen Bauakten der Zeichnung und ihren Zeitraum von November 1910 bis Dezember 1913. The display connects the plan to municipal files dated from November 1910 to December 1913. The venue and date of this photograph remain unrecorded.RB-PHO-0322

Im Lichthof · 1925–1930

Aus den Plänen wird ein arbeitender Verkaufsraum.

Die erhaltene Innenansicht führt von der geschwungenen Treppe über Verkaufstische und gefüllte Wandregale bis in den hinteren Teil des Geschäfts. Die obere Brüstung lässt beide Verkaufsebenen als einen Raum erscheinen.

Drei Museumskopien bewahren dieselbe Szene. Montierungen, Ausschnitte und Katalognotizen zeigen, wie die Fotografie im Lauf der Zeit erhalten und beschrieben wurde.

Im Verkaufsraum des Kaufhauses ReichenbachStädtische Fotogruppe · 3 AnsichtenIm Kaufhaus ReichenbachEin direktes Diapositiv und zwei montierte Abzüge bewahren dasselbe Verkaufsraumfoto und seine Kataloggeschichte.Alle Ansichten öffnen

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Im Kaufhaus Reichenbach: Treppe, Verkaufstische und obere Galerie, 1930. The museum catalogue does not name the photographer, and the faded slide cannot tell us who was working in the room.AH-F-DS-0580
Innenraum des Kaufhauses Reichenbach, montierter Museumsabzug, 1925. The mount shows how the museum kept and catalogued the photograph, not a different room.AH-F-05499a
Innenraum des Kaufhauses Reichenbach, zweiter montierter Museumsabzug, 1925. Its changed crop does not establish a second room or a second date.AH-F-05499b

Das ganze Gebäude

Die Fassade ist in mehreren Datensätzen erhalten.

Die familienverwahrte Nachtaufnahme dokumentiert die hohe Glaswand und beleuchtete Auslagen, doch ihr erhaltener Ausschnitt zeigt nicht das ganze Gebäude. Vier städtische Tagesaufnahmen liefern den fehlenden Fassaden-, Block- und Straßenkontext; eine frei nutzbare Fotografie von 1909 zeigt den Hohen Weg als Geschäftsstraße vor dem Reichenbach-Umbau.

Quellen: Städtisches Museum Halberstadt; Sigurd Curman / DigitaltMuseum / Wikimedia Commons. Jeder Objektdatensatz sagt, ob das Bild Geschäftsbeleg oder Straßenkontext ist.

Eine familienverwahrte Nachtaufnahme dokumentiert die beleuchtete Fassade und die Schaufenster am Martiniplan 10.RB-PHO-0207
Außenansicht des Kaufhauses ReichenbachTagesaufnahmen · 5 AnsichtenDie Fassade und ihre StraßeVier städtische Ansichten dokumentieren den Geschäftsblock. Sigurd Curmans Aufnahme von 1909 ist Kontext, keine Ansicht von Hoher Weg 27.Fünf Straßenansichten öffnen

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Der montierte, 1925 katalogisierte Abzug nennt Paul und J. Reichenbach und zeigt die lange Fassade am Hohen Weg.AH-F-05499c
Diese Aufnahme bietet die klarste frontale Dokumentation von Schaufensterrhythmus, Obergeschossen und Dachlinie.AH-F-05556
Die erhöhte Stadtansicht zeigt den langen Geschäftsblock inmitten der dichten Dächer und angrenzenden Straßen Halberstadts.AH-F-08662
Statt das Kaufhaus zu isolieren, dokumentiert die Aufnahme den Weg durch eine belebte Geschäftsstraße mit Markisen, Schildern, Passanten und Nachbarbetrieben.AH-F-DS-0099
Die frei nutzbare Straßenaufnahme entstand vor dem Reichenbach-Umbau 1910–1913 und zeigt den Hohen Weg als dichte Geschäftsstraße nahe der Martinikirche. Das sichtbare Schild lautet „Drogerie 48 Hoheweg“; das Bild ist daher Kontext und keine Ansicht von Hoher Weg 27.COMMONS-CURMAN-1909

Der Geschäftsblock nach Einbruch der Dunkelheit · um 1935

Die Fenster veränderten nachts die Straße.

Das direkte Diapositiv identifiziert das Kaufhaus Reichenbach innerhalb Martiniplan 10, 9 und 8, gegenüber Nr. 11. Die lange Reihe beleuchteter Fenster zeigt das Haus als Teil einer größeren nächtlichen Einkaufsumgebung und nicht als isolierte Fassade.

Ein montierter Abzug derselben Szene fügt eine handschriftliche Datierung 1935 hinzu und bewahrt die Papiermontierung des Museums.

Martiniplan und Kaufhaus Reichenbach bei NachtStädtische Fotogruppe · 2 AnsichtenHoher Weg und Martiniplan bei NachtAuf das direkte Museumsdiapositiv folgt ein montierter Abzug mit handschriftlicher Kennzeichnung 1935.Alle Ansichten öffnen

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Martiniplan und die beleuchtete Front des Kaufhauses Reichenbach, 1935.AH-F-DS-0070
Hoher Weg bei Nacht, montierter Museumsabzug, um 1935. It shows the same scene as the direct slide; it does not document a separate night or a second view of the building.AH-F-04125

Die gedruckten Räume des Geschäfts

Zwölf Reklamemarken

Die erhaltenen Reklamemarken führen von der Fassade durch Lichthof, Treppe, Verkaufsräume, Anprobe und Werkstätten.

1866–1905 · vier Bekanntmachungen

Die Firma geht durch die Familie

Am 22. März 1866 trug der Preußische Staats-Anzeiger Jacob Reichenbach als Inhaber von J. Reichenbach in das Halberstädter Firmenregister ein. Es ist der früheste bisher gefundene öffentliche Registerakt, obwohl firmeneigene Anzeigen weiter 1843 als Gründungsjahr nannten.

Drei Jahre später wurde Wernigerode noch zu Jacobs Lebzeiten als Zweigniederlassung registriert; Adolph durfte pp. J. Reichenbach zeichnen. Nach Jacobs Tod besagt die Bekanntmachung vom 13. März 1873, das Geschäft sei durch Erbgang—durch Erbschaft—an Helene und die Söhne Ludwig, Adolph und Gustav übergegangen. Am 4. April 1905 schieden Gustav und Goldine aus der Gesellschaft aus; Ludwig führte sie allein fort.

Am 22. März 1866 verzeichnete der Preußische Staats-Anzeiger den Kaufmann Jacob Reichenbach als Inhaber von J. Reichenbach im Halberstädter Firmenregister Nr. 289. Dies ist der früheste bisher gefundene öffentliche Registerakt für Jacobs Firma. Firmeneigene Anzeigen nannten weiter 1843 als Gründungsjahr; die Mitteilung registriert daher ein bestehendes Haus und datiert nicht seinen Beginn.RB-SCAN-GAZ-1866
Die Mitteilung vom 19. Februar 1869 registriert Wernigerode noch zu Jacobs Lebzeiten als Zweig des Halberstädter Hauses. Unter Prokura Nr. 12 erhielt Adolph Reichenbach die Vollmacht, „pp. J. Reichenbach“ zu zeichnen. Damit verbindet der Beleg beide Harzstädte in Jacobs Lebenszeit zu einem Geschäft.RB-SCAN-GAZ-1869
Nach Jacobs Tod am 17. Dezember 1872 verzeichnete der Staatsanzeiger den Übergang des Geschäfts „durch Erbgang“ an die Witwe Helene geb. Heinemann und die Söhne Ludwig, Adolph und Gustav. Die Mitteilung vom 13. März 1873 verortet Ludwig in Halberstadt, Adolph in Wernigerode und Gustav in Goslar und registriert das Haus als offene Handelsgesellschaft Nr. 110. Sie nennt eine Erbfolge, keinen Verkauf.RB-SCAN-GAZ-1873
Am 4. April 1905 verzeichnete der Reichsanzeiger das Ausscheiden Gustav Reichenbachs und der verwitweten Goldine Reichenbach aus der Gesellschaft. Ludwig führte J. Reichenbach allein fort. Die Mitteilung nennt die Rechtsänderung, nicht die familiären Entscheidungen dahinter.RB-SCAN-GAZ-1905

Die Belege hinter dem Geschäft

Eine Adresse, mehrere Unternehmen

1905 erscheint Ludwig Reichenbach als Kaufmann der Firma J. Reichenbach, Hoflieferant für Herren- und Damenmode, am Hohen Weg 27—im Adressbuch „Hoheweg“. Eine gesonderte ganzseitige Anzeige zeichnet „J. Reichenbach, Halberstadt, Herzogl. Hoflieferant“ und weist den Titel als herzoglich aus; welches Herzogtum gemeint war, bleibt unbekannt.

1914 nennt das Adressbuch Ludwig und Willy Reichenbach als Inhaber von J. Reichenbach sowie Paul und Ernst Reichenbach als Inhaber von Pauls Damenmodegeschäft. Die Druckeinträge nennen die Inhaber, aber weder Beteiligungsquoten noch jedes Rechtsverhältnis; Willys Platz im Stammbaum bleibt unbekannt.

1928 verzeichnet das Adressbuch erneut J. Reichenbach für Herren- und Knabenbekleidung und Paul Reichenbach für Damenmode am Hohen Weg 27 und Martiniplan 10, mit Paul und Ernst als Inhabern. Die Auszeichnungsmitteilung von 1917 verortet Paul unabhängig am Hohen Weg 27; sie druckt „Hoheweg“. Das Adressbuch von 1938 zeigt noch beide Firmen, während eine gedruckte Berichtigung Pauls Damenbekleidungseintrag streicht. Wann und wie das Geschäft genau schloss, sagt die Berichtigung nicht.

Martiniplan 10 ging laut Grundbuch durch Ludwig, Kurt, Pauls Firma und später Ernst und Margarete. Die Eigentümerfolge ist bekannt, die Umstände jeder Übertragung nicht.

Das Branchenverzeichnis von 1914 verzeichnet J. Reichenbach und Paul Reichenbach auf derselben Seite. J. Reichenbach steht unter Herren- und Knabenbekleidung, Paul Reichenbach unter Damenbekleidung; beide am Hoheweg 27 und Martiniplan 10.RB-DOC-0215

Das Geschäft in seinen eigenen Worten

Von Konfirmandenanzügen bis zu 1.500 Wintermänteln

Die Anzeigen zeigen ein großes, selbstbewusstes Geschäft mit tiefem Warenlager und unterschiedlichen Kundengruppen. Ein früher Ausschnitt wirbt direkt um christliche Familien, die Kleidung für Konfirmanden kauften. 1902 warb J. Reichenbach mit eigener Fertigung und einem Bestand von 1.500 Wintermänteln.

1931 stellte sich die Firma als Halberstadts führendes Haus für Herren-, Knaben- und Berufskleidung dar. Die Belege zeigen ein jüdisches Geschäft, das in der ganzen Stadt warb; genaue Umsätze oder Gewinne belegen sie nicht.

Die Anzeige von 1902 wirbt mit 1.500 Wintermänteln und den eigenen Werkstätten der Firma.RB-DOC-0208
Die vollständige Zeitungsseite von 1930 wirbt für Frühjahrskleidung, Stoffe, Seiden und Leinen.RB-DOC-0229
Anzeige von J. Reichenbach im ReichsbannerZwei Zeitungsausgaben · 2 AnsichtenAnzeige von J. Reichenbach im ReichsbannerDieselbe Anzeige erscheint in den Ausgaben vom 31. Oktober und 14. November 1931.Alle Ansichten öffnen

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Anzeige von J. Reichenbach im Reichsbanner, 31. Oktober 1931. The number 1910 printed inside the notice appears to be an advertiser index, not a date for the firm.RB-DOC-0212
Anzeige von J. Reichenbach im Reichsbanner, 14. November 1931. The repeated printing shows that the business continued to advertise through the city paper; it does not identify who chose or placed the notice.RB-DOC-0207
J. Reichenbach wirbt am Hoherweg 513 für Konfirmandenanzüge.RB-DOC-0209
Ein kleiner Werbeknopf trug den Namen J. Reichenbach über die Schaufenster hinaus.RB-OBJ-0024
Die kleine Halberstädter Anzeige lautet „P. Reichenbach / Damenbekleidung / Stammhaus gegr. 1843“. Sie zeigt, dass die Damenbekleidungsfirma fast zwei Jahre nach Pauls Tod weiterwarb, nun bei den Leserinnen und Lesern einer landesweiten Zeitung jüdischer Frontkämpfer. Die Platzierung im Schild macht Paul oder die Firma nicht zu einer Dienststelle des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten.RB-DOC-0227

8. Oktober 1937 · Der Schild

Das Damenmodegeschäft warb noch nach Pauls Tod

Fast zwei Jahre nach Pauls Tod bot eine kleine überregionale Anzeige weiterhin Damenbekleidung von P. Reichenbach an und wiederholte das Gründungsjahr 1843. Sie erschien in Der Schild, der Zeitung des jüdischen Frontkämpferverbands. Die Platzierung zeigt, dass die Firma jüdische Leserinnen und Leser ansprach; sie macht Paul oder das Geschäft nicht zu einer RjF-Dienststelle.

Ein Beitragender berichtet, sein Großvater habe den Anzug um 1927 zur Hochzeit im Kaufhaus Reichenbach gekauft; das Foto zeigt unmittelbar das eingenähte Etikett, während Kaufdatum und Anlass Familienüberlieferung bleiben.RB-PHO-0335

Durch den öffentlichen Austausch des Archivs gefunden · September 2026

Der Name des Geschäfts blieb in einem Hochzeitsanzug erhalten.

Ein Leser reagierte auf den Aufruf des Archivs in r/SachsenAnhalt und teilte dieses Foto, nachdem er den Namen Reichenbach erkannt hatte. Er berichtet, sein Großvater habe das Kleidungsstück um 1927 als Teil seines Hochzeitsanzugs im Kaufhaus Reichenbach gekauft, und erteilte die Erlaubnis, diese Nahaufnahme zu veröffentlichen.

Das Foto dokumentiert unmittelbar ein gewebtes Etikett „J. Reichenbach, Halberstadt“, das noch in eine Jacke eingenäht ist. Es verleiht außerdem der Aussage einer Anzeige von 1902 konkrete Gestalt, wonach die von der Firma gefertigten Mäntel innen ihren Namen trugen. Käufer, genaues Datum und Hochzeitsbezug bleiben Familienüberlieferung: Eine Heiratsurkunde, eine zeitgenössische Fotografie oder eine Gesamtansicht des Kleidungsstücks liegen bislang nicht vor.

Die preußische Auszeichnungsmitteilung nennt Paul Reichenbach und Hoheweg 27.RB-SCAN-019

Patriotismus und sein Preis

Patriotismus am Hoheweg 27.

Die Mitteilung von 1917 verlieh Paul Reichenbach das Verdienstkreuz für Kriegshilfe für seine besondere Tätigkeit im vaterländischen Hilfsdienst. Sie spricht ihn als Kaufmann am Hoheweg 27 an und verbindet diesen öffentlichen Dienst mit der Geschäftsadresse der Familie. Was Paul oder die Firma genau lieferten, organisierten oder finanzierten, sagt das Dokument nicht.

Pauls Enkelin Susan Reichenbach Heyman erinnert eine überlieferte Erzählung, wonach Paul in der Schweiz verwahrtes Geld nach Deutschland zurückbrachte und schließlich verlor. Kein Bank-, Steuer- oder Devisenbeleg bestätigt dies bislang; das Archiv bewahrt es daher als Familienzeugnis, nicht als Finanzfakt. Die Überlegung der Familie, was das Geld für eine Flucht hätte bedeuten können, ist eine kontrafaktische Reflexion, keine dokumentierte Schlussfolgerung.

Familienzeugnis: Susan Reichenbach Heyman, 5. August 2026 (RB-OH-0001) (Englisch) Die Notizen sind eine erzeugte Gesprächszusammenfassung, kein wortgetreues Transkript.

Erinnerung einer Kundin · veröffentlicht am 6. Mai 2008

Eine über Generationen erinnerte Warnung

Jutta Keil hielt eine Erzählung ihrer Mutter fest, die 1925 nahe Halberstadt geboren wurde. Die Mutter erinnerte sich an Besuche im Geschäft Reichenbach mit ihren Eltern, auch nach dem Novemberpogrom 1938. Das Archiv identifiziert den „alten Herrn Reichenbach“ in dieser Erinnerung als Kurt Reichenbach, Ludwigs Sohn, der später in der Dominikanerstraße 23 verzeichnet war (Englisch).

Meine Mutter wurde 1925 als Bauerstochter in einem Dorf bei Halberstadt geboren und war nach der Grundschulzeit Schülerin im Pensionat in Halberstadt. Sie hat mir bis zu ihrem Tode viel über ihre Kindheit und Jugend erzählt.

Aber immer hatte sie beschäftigt, was wohl mit dem alten Herrn Reichenbach geschehen ist. Sie war mit ihren Eltern öfter bei Reichenbachs, mit ihrem Vater auch noch nach der Progromnacht. Ihr Vater, der 1940 starb, kaufte dort in der Herrenabteilung ein, sie sagte Reichenbachs waren bekannt für die gute Tuchabteilung. Es muss eine ganz bedrückte Stimmung geherrscht haben; als sie dann nochmals zu dem alten Herrn Reichenbach kamen, bat er meinen Großvater, nicht wiederzukommen, da es ja inzwischen für sie verboten war, dort zu kaufen. Meine Mutter sagte: Hoffentlich konnten sie sich retten.

Als ich im letzten Jahr mit meinem Mann in Halberstadt war, haben wir das Denkmal gesehen u. auch gesehen, dass keiner zurückgekommen ist.

Mit freundlichen Grüßen
Jutta Keil

Zusammenfassung: Keils Mutter erinnerte, dass das Geschäft Reichenbach für seine Tuchabteilung bekannt war. Bei einem späteren Besuch bat Kurt in bedrückender Atmosphäre Keils Großvater, nicht wiederzukommen, weil es der Familie inzwischen verboten war, dort einzukaufen. Keils Mutter hoffte weiterhin, die Familie Reichenbach habe sich retten können.

Quelle: Jutta Keil, Kommentar vom 6. Mai 2008 zu „Reichenbach, Familie“, Juden im alten Halberstadt. Die verschwundene Seite ist in einer Internet-Archive-Sicherung vom 2. August 2016 erhalten ↗. Der deutsche Text oben ist einschließlich der ursprünglichen Schreibweise „Progromnacht“ wortgetreu wiedergegeben. Der zusammenfassende Absatz ist keine wörtliche Übersetzung.

Können Sie helfen, diese Familie zu identifizieren? Das Archiv konnte die Verfasserin über den Namen Jutta Keil hinaus nicht identifizieren. Auch ihre Mutter und die Großeltern mütterlicherseits sind unbekannt. Wenn Sie wissen, wer sie war, oder Angaben zu ihrer Familie haben, kontaktieren Sie bitte das Archiv.

Durch diese Familie

Wohlstand schützte das Eigentum nicht

Geschäfts-, Grundstücks-, Reise- und Bürgerakten beschreiben eine wohlhabende jüdische Kaufmannsfamilie. Unter der NS-Herrschaft wurde diese Stellung für Staat und private Käufer ausbeutbar. In ganz Deutschland übertrug die „Arisierung“ jüdische Unternehmen und Immobilien durch diskriminierendes Recht, Druck und Verkäufe weit unter Wert an Nichtjuden.

Am Wernigeröder Eigentum der Familie kann das Archiv diesen Mechanismus direkt belegen: Die Urkunde von 1938 bezeichnet Fritz als Juden und verlangt amtliche Genehmigung. Für Halberstadt verzeichnet eine Verwaltungsliste von 1941 Paul Reichenbachs Firma als „arisiert durch“ Mennigen & Co. Die Liste nennt den Nachfolger, nicht aber Preis, Kaufurkunde oder das Verhältnis zwischen Geschäftsübertragung und Gebäudeeigentum. Wohlstand gehört zur Überlieferung; ebenso die Grenzen dessen, was er schützen konnte.

Quellen und Belege: USHMM: Arisierung · Halberstädter Arisierungsliste · Fritz Reichenbachs Zwangsverkaufsurkunde

Der Verwaltungsbeleg · 1. April 1941

Die staatliche Liste nennt den Nachfolger.

Unter „Kreis Halberstadt“ lauten die Spalten „Jüdische Firma“ und „Arisiert durch“. Der Eintrag stellt Paul Reichenbach Mennigen & Co. K.-G. gegenüber.

Dies ist ein direkter Beleg der Arisierungsnachfolge, aber kein Kaufvertrag. Genaues Übertragungsdatum, Preis, notarielle Urkunde und Mechanismus des Eigentumsübergangs nennt er nicht.

Ein Blatt des Landesarchivs nennt Mennigen & Co. K.-G. als die Firma, durch die Paul Reichenbachs Geschäft „arisiert“ wurde.RB-DOC-0222

Das Adressbuch · 1940

Mennigens Textilhaus befindet sich weiterhin am Martiniplan 10.

Das Straßen- und Häuserverzeichnis nennt „Halberst. Textilhaus Mennigen & Co.“ an genau der früheren Reichenbach-Adresse. Ein gesonderter alphabetischer Eintrag nennt Hans Mennigen als Halberstädter Kaufmann.

Das Adressbuch sagt nicht, ob Hans Mennigen Eigentümer, Geschäftsführer oder Angestellter der Firma war. Der gemeinsame Nachname macht die Verbindung untersuchenswert, doch sie ist noch unbekannt.

Das Adressbuch von 1940 führt das Textilhaus Mennigen & Co. am Martiniplan 10.RB-DOC-0223
Hans Mennigen ist 1940 als Halberstädter Kaufmann verzeichnet.RB-DOC-0224
Die frühere Reichenbach-Fassade als Werbung für HATEX, Mennigen & Co.RB-PHO-0334

Die Auslöschung sichtbar · als 1943 angeboten

Das Gebäude bleibt. Der Name Reichenbach ist verschwunden.

Die illustrierte Postkarte verwandelt die frühere Kaufhausfassade in HATEX-Werbung. Riesige Buchstaben ragen über die Dachlinie; „HATEX, Mennigen & Co.“ besetzt die Front, an der die Reichenbach-Geschäfte gestanden hatten.

Die Postkarte ist durch ein mit Wasserzeichen versehenes Marktplatzfoto bekannt. Der Verkäufer nannte 1943, doch Rückseite und Poststempel lagen nicht vor; das Datum bleibt unbestätigt. Auf der Karte steht „Mennigen“, im Angebotstitel fälschlich „Meiningen“.

HATEX-Winterschlussverkaufszettel — erste AnsichtFamilienverwahrte Geschäftsdrucksachen · 2 AnsichtenHATEX-Zettel zum WinterschlussverkaufFamilienverwahrte Handzettel nennen HATEX, Mennigen & Co., Martiniplan 10, und werben für Halberstadt und Wernigerode.Alle Ansichten öffnen

Wählen Sie eine Ansicht für ein größeres Bild sowie Quellen- und Archivangaben.

„Winter-Schluss-Verkauf“-Zettel nennen „HATEX, Mennigen & Co., Martiniplan 10, Halberstadt“ und die Wernigeröder Filiale. Zusammen mit der amtlichen Arisierungsliste belegen sie HATEX als Handelsnamen von Mennigen & Co., der als Nachfolger von Paul Reichenbachs Geschäft verzeichneten Firma.RB-PHO-0152
Eine zweite Ansicht zeigt die vollständige Gestaltung und den Zusammenhang der Rückseite. Firmenname und Adresse lassen sich so unmittelbar mit dem amtlichen Nachweis verbinden, der Mennigen & Co. als Arisierungsnachfolger von Paul Reichenbachs Geschäft nennt.RB-PHO-0153
Dieselbe Adresse in Anzeigen: P. Reichenbach, 1933; Menningen & Co., 1938.AH-F-04102

Die Adresse im öffentlichen Druck · 1933–1938

Der Name über derselben Fassade änderte sich.

Ein Museumsvergleich stellt eine Anzeige von P. Reichenbach von 1933 einer Anzeige des Halberstädter Textilhauses Menningen & Co. am Martiniplan 10 von 1938 gegenüber. Die Museumsbeschriftung schreibt „Menningen“; die amtliche Liste und die HATEX-Zettel „Mennigen“.

Gemeinsam gelesen belegen Vergleich, Handzettel, Postkarte und amtliche Liste die dokumentierte Geschäftskette. Kaufurkunde, Transaktionspreis, genaues Übertragungsdatum und vollständige spätere Rechtsgeschichte liefern sie nicht.