Mit dreiundzwanzig schrieb Dolf den Brief aus St. Moritz, entkam Deutschland und begann in Massachusetts neu. Er wurde Bekleidungsdesigner, heiratete Subie und zog Paul und Susan groß.
Dieses Leben beginnt mit dem Brief aus St. Moritz.BriefMargareteFritz (Englisch)
Dolf wurde 1914 in Halberstadt geboren. Neunzehn Tage vor seinem vierundzwanzigsten Geburtstag schrieb er aus St. Moritz und drängte seine Mutter, Deutschland zu verlassen und daran zu glauben, dass die Familie wieder in Würde leben könne.
In einem am 5. August 2026 aufgezeichneten Oral-History-Gespräch erinnerte sich seine Tochter Susan Reichenbach Heyman, ein nichtjüdischer Freund habe ihn telefonisch gewarnt und gefragt, ob Dolf ‚dieses Wochenende in der Schweiz Ski fahren wolle‘. Dolf verstand die verschlüsselte Warnung und reiste noch am selben Nachmittag ab. Die Familie erinnert sich, dass die Behörden ein oder zwei Tage später nach ihm suchten. Weder die Identität des Freundes noch der genaue Wortlaut sind dokumentiert; ein zeitgenössischer Beleg für den Anruf oder die spätere Suche wurde nicht gefunden.
Ruth und Albert Rothschild waren bereits in den Vereinigten Staaten, bevor die amerikanische Überlieferung zu Dolf und Margarete vollständig einsetzt. Ein Familienbericht erinnert daran, dass ein nur als Max bekannter Freund Alberts mit einem Brief Dolfs Übersiedlung unterstützte.
Passagierlisten verzeichnen Dolf und Margarete 1937 und erneut im Mai 1938 in New York. Im September 1938 reichte Dolf in Massachusetts seine ersten Einbürgerungspapiere ein. Bei der Registrierung am 6. Dezember 1940 in Boston gab er 3 Netherlands Road in Brookline als Wohnadresse und F & M Skirt Co. als Arbeitgeber an. Die Brookliner Straßenlisten führen Adolf und Margarete bis zum 1. Januar 1941 an der Netherlands Road 3, 1942 und 1943 gemeinsam an der Park Street 119. Am 1. Januar 1944 war Margarete noch dort verzeichnet, Adolf jedoch nicht. Susan Ulmer erscheint in keiner dieser Listen. Damit engen die Dokumente das Heiratsfenster auf die Zeit nach dem 1. Januar 1943 und spätestens bis zu der familienbewahrten Urkunde vom 15. Mai 1944 ein. An diesem Tag nahm das Bundesbezirksgericht in Boston Dolf als US-Bürger auf; die Urkunde bewahrt sein Foto und seine Unterschrift und nennt Park Street 119 in Brookline als Adresse.
Susan erinnert sich, dass Dolf sein amerikanisches Leben mit dem Packen von Kartons in einem Kaufhaus namens Raymond’s begann und sich nach oben arbeitete. Das Bostoner Adressbuch von 1964 nennt Dolph Reichenbach als Präsidenten der Banner Sportswear Inc., eines Damen-Sportbekleidungsunternehmens in der Harrison Avenue 116, achter Stock. Die Trauerrede hält fest, dass er bei Banner auch Kleidung entwarf und so sein neues amerikanisches Leben mit dem Gewerbe verband, in dem seine Familie über Generationen gearbeitet hatte. Sie erinnert außerdem an seine Liebe zu Pflanzen, Musik, Essen, Reisen, Bridge und Diskussionen: ‚He was a maven.‘
Eine Zusammenfassung öffentlicher Datensätze verbindet Dolf mit Bow Road in Newton sowie mit Brookline und Canton in Massachusetts. Die zugrunde liegenden Wohnnachweise wurden noch nicht identifiziert; diese Orte sind daher mögliche, nicht belegte Adressen.
Er heiratete Susan ‚Subie‘ Ulmer aus dem Clevelander Haushalt von Jacob Morton ‚Yank‘ Ulmer, dem Schatzmeister von S. Ulmer & Sons. Sie zogen zwei Kinder groß, und Dolf trug Halberstadt mit sich. Ihr Sohn Paul J. Reichenbach verwandelte die ererbte Bedeutung des Überlebens in vierundvierzig Jahre Aufbauarbeit für jüdische Reformlager, Israelprogramme und Jugendbildung. Die Arbeit der Nachkommen in jüdischen Ferienlagern und in der Bildung, im Gemeindeleben, in der Unterstützung Israels und des Zionismus sowie in der Bewahrung der Erinnerung gehört zur Kontinuität der Familiengeschichte — nicht nur zu ihrem Epilog.
Familie und Haushalt
Menschen, die mit diesem Leben verbunden sind
- Paul Reichenbach · Vater
- Margarete Reichenbach née Liebenthal · Mutter
- Ruth Helene Reichenbach · Schwester
- Susan ‘Subie’ Ulmer Reichenbach · Ehefrau
- Paul J. Reichenbach (Englisch) · Sohn
- Susan Reichenbach Heyman · Tochter · Beiträgerin zur Oral History der Familie
Quellen
Quellen
- Standesamtliches Geburtsregister
- Trauerkarte von 1935
- Brief aus St. Moritz
- New Yorker Passagierlisten von 1937 und 1938
- Einbürgerungserklärung in Massachusetts, 15. September 1938
- NARA Alien Registration Form AR005106001957, registriert in Boston am 6. Dezember 1940
- Familienbewahrte Einbürgerungsurkunde Nr. 6354892, ausgestellt in Boston am 15. Mai 1944
- Straßenlisten der Town of Brookline, 1940–1944, über Internet Archive
- US-Volkszählung 1940, Brookline
- The Boston Directory, 1964, S. 74 (RB-DOC-0228)
- Tafel des Berend-Lehmann-Museums
- Familienbewahrte Trauerrede
- Oral History mit Susan Reichenbach Heyman, 5. August 2026
- Klärung der Familienchronologie, August 2026
- PeopleLegacy-Friedhofsverzeichnisse für Dolph und Susan ‚Subie‘ Ulmer Reichenbach
- Zusammenfassung öffentlicher Wohnnachweise, übermittelt am 5. August 2026
Was ungeklärt bleibt
Die erhaltenen Dokumente ergeben noch keine einfache Reisechronologie. Dolfs Registrierung von 1940 nennt den 4. Mai 1938 als seine letzte Ankunft in den Vereinigten Staaten, obwohl er im November desselben Jahres aus der Schweiz schrieb. Sie verzeichnet außerdem eine frühere Ankunft am 5. Februar 1937, zu der Schiff und Hafen noch nicht gefunden wurden. Eine maschinenschriftliche Zeile ‚65 Strathmore Road, Brighton‘ auf der Einbürgerungsurkunde bleibt ungeklärt. Seine Heiratsurkunde und seine standesamtliche Sterbeurkunde wurden noch nicht gefunden.