Reichenbach-FamilienarchivKorrespondenz und ManuskripteRB-PHO-0190

Vier Strophen aus Ruth und Alberts Hochzeitslied

Vier komische Strophen führen von Ruths Kindheit und sportlichem Leben über die Werbung in Schierke bis zu Alberts Ankunft in Halberstadt. Dolf schrieb das Lied für eine Familienfeier. Seine Scherze bewahren Familienwissen, belegen aber nicht jedes Datum und jeden Ort, die sie erwähnen.

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SerieKorrespondenz und Manuskripte

Deutsche Lesung

II. Die kleine Ruth war ihren Eltern und mir stets eine Freude. Julius liebt sie von Herzen. Für alle ihre Tanten war sie Manna, und Ruth empfindet für jeden liebevolle Anteilnahme. Einmal kletterte sie am Lindenweg ganz allein über einen Zaun; doch beim Durchzwängen blieb die kleine Ruth mit einem Bein hängen. Onkel Georg fand den Vorfall interessant. Fräulein Mieze musste sie lange behandeln. Ruth — das ist selten — tut, weil sie keine Schuld trägt, ihre Pflicht stets gut und geduldig. III. Ruth lernte sehr fleißig und pflegte die Freundschaft gut. Flink wie ein Wiesel konnte sie beim Tennis viele Preise gewinnen, auf mein Wort. Schwimmen und Tanzen erfreuen sie; jeden Sport betreibt sie mit Begeisterung. Sie hält sich immer gern in Schierke auf und hat seit Jahren den Brocken bestiegen. Sie liebt auch die Dünen und den Strand von Norderney, so weit es auch sei. Unerwähnt soll nicht bleiben, dass sie dort vor acht Jahren auf einen Herrn Eindruck machte. IV. Im vergangenen Winter traf Albert in Schierke wieder auf Ruth. Am Silvesterabend kurz vor Mitternacht tat er genau das Richtige und lotste Max ohne Umstände in das Lesezimmer des Hotels, um sprechen zu können. Doch Vater Reichenbach unterbrach sehr rasch: „Hier ist bessere Luft, fast wie in Davos“, sagte Vater Paul ahnungslos. Albert dachte still bei sich: „Jetzt muss ich den Mund halten.“ Dann, weil er so verliebt war, betrieb er die Sache recht eilig und nicht träge. V. Dann erschien Albert in Halberstadt, heiter im Dienst und flink wie ein Wiesel. Dolf, der Schwager und Verseschmied, der beide Mädchen gekannt hatte, nannte sie „Halberstädter“. „Dolf, du darfst heute Abend keinen Laut von dir geben — es kommt Besuch!“ Albert, weit und breit der beste unter den Kavalieren, nahm Reißaus. Seine Mutter rühmt seine Tüchtigkeit. Von allen Frauen will er nur [Ruth] vertrauen; seit Jahren lässt sie sich lieber von keinem anderen Mann fahren. Womit ließe sich erklären, dass er ihr Vertrauen nicht sogleich gewann? Im eigenen Land, zu seiner Schande, hat ein Prophet noch nie viel gegolten.

Deutsche Wiedergabe der englischen Lesung des Archivs; keine diplomatische Transkription des Originals.

Englische Übersetzung

II. Little Ruth was always a joy to her parents and to me. Julius loves her dearly. To all her aunts she was manna, and Ruth feels loving sympathy for everyone. Once on Lindenweg she climbed over a fence entirely by herself; but as she squeezed through, little Ruth caught one leg. Uncle Georg found the incident interesting. Fräulein Mieze had to treat her for a long time. Ruth—this is rare—because she bears no blame, always does her duty well and patiently. III. Ruth studied very diligently and cultivated friendship well. Quick as a weasel, she could win many prizes at tennis, upon my word. Swimming and dancing delight her; she pursues every sport enthusiastically. She always likes to stay in Schierke and has for years climbed the Brocken. She also loves the dunes and the beach at Norderney, however far away. It should not go unmentioned that eight years ago she made an impression there upon a gentleman. IV. Last winter Albert came upon Ruth again in Schierke. On New Year’s Eve shortly before midnight he did exactly the right thing and, without ceremony, steered Max into the hotel reading room so that he could speak. But Father Reichenbach interrupted very quickly: “It is better air here, almost like Davos,” Father Paul said unsuspectingly. Albert thought quietly to himself, “I must keep my mouth shut now.” Then, because he was so in love, he pursued the matter rather hurriedly and not lazily. V. Then Albert appeared in Halberstadt, cheerful in service and quick as a weasel. Dolf, the brother-in-law and versifier who had known both girls, called them “Halberstadters.” “Dolf, you are not to make a sound tonight—someone is coming to visit!” Albert, the best far and wide among cavaliers, took to his heels. His mother boasts of his competence. Of all women he wants to trust only [Ruth]; for years she has preferred to be driven by no other man. What might explain that he did not at once win her confidence? In his own country, to his shame, a prophet has never counted for much.

English translation or reading prepared for the Reichenbach Family Archive. Comic wordplay and several faint readings remain provisional.

Texthinweis

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Archivsignatur
RB-PHO-0190
Datum
3. August 1933
Digitales Bild
1600 × 1418 Pixel
Belegstatus
Gedrucktes Primärobjekt
Quelle und Provenienz
Familienverwahrtes gedrucktes Hochzeitsandenken.
Bildnachweis
Reichenbach Family Archive
Rechte
Es ist keine gesonderte Nachnutzungslizenz verzeichnet; bitte vor einer Nutzung das Archiv kontaktieren.
Bildbearbeitung
Ansichtskopie des Scans oder Archivfotos; Ausrichtung geprüft; keine generative Veränderung.

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Reichenbach Family Archive. “Vier Strophen aus Ruth und Alberts Hochzeitslied.” 3. August 1933. RB-PHO-0190. https://www.reichenbacharchive.org/de/objects/rb-pho-0190.

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