Judenstraße, Synagogenviertel und die Stadt um die Familie

Jüdinnen und Juden in Halberstadt

Die Judenstraße, seit dem Mittelalter das Zentrum jüdischer Ansiedlung in Halberstadt. Die Fotografie lässt uns eine Straße im Zentrum des jüdischen Lebens der Stadt verorten. Sie benennt kein Wohnhaus und kein Geschäft der Familie Reichenbach.RB-PHO-0048

Eine wiederholt neu aufgebaute Gemeinde

Die Judenstraße trug Erinnerung, bevor das Kaufhaus eröffnete

Die Reichenbachs eröffneten ihr Bekleidungshaus in einer Stadt, in der jüdische Familien seit Jahrhunderten beteten, handelten, lernten und neu begannen. Ihre Straßen gehörten zu einer viel älteren Gemeinde.

Jüdische Anwesenheit ist 1261 belegt. Auf Vertreibungen im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit folgten Rückkehr und Neuanfang. 1669 zerstörten Soldaten und ein Mob die Synagoge in der Judenstraße. Die Gemeinde erstritt vor Gericht Entschädigung, doch die Genehmigung zum Wiederaufbau blieb ihr verwehrt.

Unsichere Rechte und der Wille, neu zu beginnen, prägten Halberstadt lange bevor Jacob Reichenbachs Geschäft eröffnete.

Lilly Cohn · 1928 in Halberstadt geboren

Ein weiterer Haushalt erinnert dieselbe Stadt.

Lillyan Rosenbergs Oral History beim USHMM bewahrt Kindheitserinnerungen an orthodoxes Familienleben, eine Leinenfabrik und ein Geschäft, den Novemberpogrom, die Haft ihres Vaters in Buchenwald, den Kindertransport und das Überleben im Ausland.

Ihre Familie wird nicht als dokumentierter Reichenbach-Zweig dargestellt. Das Zeugnis erweitert den Blick von einem Haushalt auf ein jüdisches Kind derselben Generation, das Halberstadt kannte, bevor Verfolgung seine Familie auseinanderriss.

Dieses familienverwahrte Gemälde zeigt Halberstadts bürgerliches Zentrum mit Rathaus, Martinikirche, Brunnen und Roland. Walter Gemm signierte und datierte das Werk, und die Familie bewahrte es gerahmt. Das Bild benennt Künstler und Ort, doch Technik, Bildträger und der Weg in die Familie sind bislang nicht untersucht.RB-PHO-0211

Eine Stadt, in Farbe und Druck nah gehalten

Das Halberstadt, das sie bewahrten

Dolf und Mutti liebten Aussehen und Gefühl Halberstadts. Ein signiertes Walter-Gemm-Gemälde von 1926 und neun noch in der Familie befindliche Drucke bewahren Straßen, Märkte und dicht stehende Häuser ihrer Erinnerung.

Acht Drucke blieben bei Daniels Vater; ein weiterer ist bei seiner Tante. Zusammen mit dem Gemälde zeigen sie, wie tief die Familie der Stadt verbunden blieb.

Bilder und ihre Familiengeschichte ansehen
Dieser Museumsscan zeigt die barocke Halberstädter Synagoge vor dem Novemberpogrom 1938 und dem darauffolgenden Abriss. Ein nicht identifizierter Fotograf hielt das Gebäude in seinem Wohnblock fest. Das Bild bewahrt seine äußere Gestalt, zeigt aber nicht die im Inneren versammelte Gemeinde.Quelldatensatz öffnen EXT-HBS-SYN-1930

Berend Lehmann und das Viertel

Ein Zentrum von Lernen, Gebet und Handel

Issachar Berend Lehmann förderte eine Klaus, half den Druck des Babylonischen Talmud zu finanzieren und unterstützte die 1712 eingeweihte Synagoge. Um sie wuchsen Schulen, Ritualbad, Häuser, Handel, Wohltätigkeit und Gelehrsamkeit.

Halberstadt brachte später sowohl Israel Jacobson, einen Wegbereiter des Reformjudentums, als auch Esriel Hildesheimer, eine prägende Figur der modernen Orthodoxie, hervor. Das jüdische Leben der Stadt entzieht sich einem einzigen Etikett.

Ein verschwundener Gebetsraum

Durch ihre Bilder lässt sich die Synagoge noch betreten.

Die erhaltene visuelle Überlieferung ist ungewöhnlich reich. Eine Fotografie zeigt das Gebäude im Häuserblock der Bakenstraße; eine weitere bewahrt die barocke Anordnung des Innenraums. Käthe Lipkes Aquarell ergänzt, was Schwarz-Weiß-Fotografie nicht geben kann: einen maßvollen Eindruck seiner Farben.

Öffnen Sie jedes Bild für Quelle und Rechte.

Dieser Museumsscan zeigt Mauerwerk, Fenster und Dach der Synagoge im engen Häuserblock ringsum. Ein nicht identifizierter Fotograf nahm das Gebäude vor 1938 auf. Das Bild bewahrt die äußere Umgebung, nicht aber die Menschen, die im Inneren beteten.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-PD-0004
Dieser Museumsscan hält den Gebetsraum, seine Galerien, Kronleuchter und die achteckige Bima vor 1938 fest. Ein nicht identifizierter Fotograf stand im Raum und bewahrte dessen Anordnung. Die Fotografie zeigt die Architektur, identifiziert aber nicht die Betenden, die den Raum nutzten.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-PD-0005
Käthe Lipkes Aquarell von 1930 zeigt den blauen Vorhang und die achteckige Bima des Gebetsraums. Ihre Hand bewahrte das einzige bekannte Farbzeugnis des Innenraums vor seiner Zerstörung. Das Gemälde hält die Sicht einer Künstlerin fest und kann nicht jede Farbe und jedes Detail exakt wiedergeben.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-CC-0007

Offene historische Quellen

Eine Stadt konkurrierender jüdischer Modernen

Halberstadt brachte Persönlichkeiten sowohl des frühen Reformjudentums als auch der modernen Orthodoxie hervor. Rabbiner Benjamin Hirsch Auerbach bewahrte zudem die eigene dokumentarische Geschichte der Gemeinde. Quellen- und Rechteangaben bleiben an jedem Bild.

„Halberstadt“ in The Jewish Encyclopedia, Bd. 6 (1904), S. 164–166 lesen ↗

Dieses Photochrom hält Halberstadts dichte Stadtlandschaft fest, als die Firma Reichenbach dort bereits bestand. Ein kommerzieller Bildverlag kolorierte und veröffentlichte die Ansicht für den Vertrieb. Sie zeigt die Stadt um die Familie herum, aber keine lesbare Reichenbach-Ladenfront.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-PD-0001
Dieses historische Porträt zeigt Israel Jacobson, 1768 in Halberstadt geboren und für die jüdische bürgerliche Emanzipation und religiöse Reform tätig. Ein Künstler schuf das Bildnis für die öffentliche Verbreitung. Es gibt den weiteren jüdischen Kontext der Stadt wieder, belegt aber keine Verbindung zur Familie Reichenbach.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-PD-0002
Dieses historische Porträt zeigt Esriel Hildesheimer, 1820 in Halberstadt geboren und später ein führender Vertreter des modernen orthodoxen Judentums. Ein Künstler schuf das Bildnis für die öffentliche Verbreitung. Es gehört zur jüdischen Geschichte der Stadt, nicht zu einer dokumentierten Beziehung zur Familie Reichenbach.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-PD-0003
Dieses historische Porträt zeigt Benjamin Hirsch Auerbach, seit 1863 Rabbiner in Halberstadt und Verfasser der quellenbasierten Geschichte der Gemeinde. Ein Künstler schuf das Bildnis für die öffentliche Verbreitung. Es liefert Gemeindekontext, dokumentiert aber keine persönliche Verbindung zur Familie Reichenbach.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-PD-0006

Was noch zu Fuß erreichbar ist

Klaus, Mikwe, Friedhof und der leere Synagogengrund

Das jüdische Viertel ist mehr als der Ort einer zerstörten Synagoge. Klaus und Mikwe halten Orte des Lernens und Rituals sichtbar. Der Friedhof bewahrt Generationen von Namen; der Grundriss der Synagoge legt Abwesenheit unter die Füße.

Diese Fotografie zeigt die Klaussynagoge am Rosenwinkel 18, von Berend Lehmann als Synagoge und Lehrhaus gegründet. Besucher und Lehrende begegnen ihr heute als Teil der Moses Mendelssohn Akademie. Das Gebäude gibt jüdischem Leben in Halberstadt Kontext, ist aber kein Besitz der Familie Reichenbach.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-CC-0006
Diese Fotografie zeigt das restaurierte Ritualbadhaus in der Judenstraße 26. Das Berend Lehmann Museum nutzt das Gebäude heute als materielles Zentrum seiner Dauerausstellung. Es verortet jüdisches Gemeindeleben in der Stadt, dokumentiert aber keinen Besuch der Familie Reichenbach.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-CC-0008
Diese Fotografie blickt durch das Tor am Westendorf in den alten jüdischen Friedhof Halberstadts. Trauernde und Beerdigungsbruderschaften trugen Generationen der Juden der Stadt durch diesen Eingang. Die Ansicht belegt den Ort, doch einzelne Reichenbach-Gräber lassen sich daraus nicht bestimmen.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-CC-0009
Olaf Wegewitz’ Installation markiert den Boden, auf dem einst die Synagoge stand. Besucherinnen und Besucher gehen den Umriss ab, der nach Novemberpogrom und Abriss in der Stadt zurückblieb. Sie ist ein modernes Denkmal, kein erhaltener Bauteil des Gotteshauses.Quelldatensatz öffnen RB-EXT-CC-0010

Der Halberstädter Lesesaal

Mit der Stadt beginnen. Dann den Belegen nach außen folgen.

Diese Auswahl stammt aus der Kontextstudie des Archivs vom August 2026. Sie verbindet eine zugängliche Familien- und Gemeindegeschichte, dokumentarische Nachschlagewerke, einen nahezu zeitgenössischen Lexikonartikel und moderne Forschung. Die Links öffnen das Werk selbst oder den hilfreichsten Katalogdatensatz.

Vollständige Studienausgabe · Englisch · illustrierte Webausgabe

The Jews of Halberstadt: A Community History in European Context, 1261–2026

Die für das Reichenbach Family Archive im August 2026 erstellte erweiterte Ausgabe vereint die vollständige Kontextgeschichte, neunzehn lokal gehostete und ausgewiesene Abbildungen, Chronologie, Forschungsleitfaden, Lizenzanhang und Bibliografie. Sie ist eine quellengestützte interpretative Übersicht—kein Primärdokument—und führt zu den Fachwerken darunter.

Vollständige englische Studienausgabe →
Gemeinfrei · genaue Fundstelle

The Jewish Encyclopedia: „Halberstadt“

Gotthard Deutsch und B. Auerbach, Bd. 6, God–Istria (1904), S. 164–166. Ein nahezu zeitgenössischer Bericht über die Gemeinde bis 1903, als Nachschlagewerk und zeitgebundenes Dokument zu lesen.

Hier beginnen · Deutsch · 328 Seiten

Sabine Klamroth, „Erst wenn der Mond bei Seckbachs steht“

Juden im alten Halberstadt, 2., überarbeitete Auflage (Metropol, 2014), ISBN 978-3-86331-208-4. Eine zugängliche, lokal verankerte Geschichte entlang von Familien, Straßen und Alltag.

Dokumentarisches Nachschlagewerk · Deutsch · 6 Bände

Werner Hartmann, Hg., Juden in Halberstadt

Geschichte, Ende und Spuren einer ausgelieferten Minderheit (1988–1996). Gedenkdokumentation und Deportationslisten: unverzichtbar für Namen, aber nicht als fortlaufende Erzählung angelegt.

Digitalisierte Primärquelle · Deutsch · 1866

Benjamin Hirsch Auerbach, Geschichte der israelitischen Gemeinde Halberstadt

Die Geschichte der eigenen Gemeinde aus der Feder eines amtierenden Halberstädter Rabbiners. Der Anhang bewahrt Briefe und Dokumente, die sonst verloren sein könnten.

Open Access · moderne Forschung

Philipp Graf, Ausgeschlagenes Erbe

Die jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR (2025). Die wesentliche Studie zum Umgang mit jüdischer Geschichte und Erinnerung der Stadt nach 1945.

Interaktiv · vom Museum verfasst · Deutsch und Englisch

Digitaler Rundgang durch das jüdische Halberstadt

Der ortsbezogene Führer des Berend Lehmann Museums zu Klaus, Mikwe, Synagogenort, Friedhöfen und erhaltenem jüdischen Viertel.

Schnelle Orientierung · Fußnoten weiterverfolgen

Wikipedia: Halberstadt

Eine nützliche erste Übersicht über Stadtchronologie, Synagoge, jüdische Friedhöfe und Zerstörung von 1945. Die verlinkten Belege führen in die Fachliteratur.

Digitalisierte Bücher, Handschriften und Archivunterlagen

National Library of Israel: Sammlungen zu Halberstadt

Ein Forschungsportal zu Gemeindeverwaltung, Familientafeln, Statuten, Handschriften, Fotografien und Büchern über das jüdische Halberstadt.

Institutionelle Forschung · fortlaufend

Forschung des Berend Lehmann Museums

Aktuelle Arbeit zu Halberstädter Familiengeschichten, den drei jüdischen Friedhöfen und dem verlorenen Inventar der Barocksynagoge.

Für einen weiteren deutsch-jüdischen Rahmen empfiehlt die Archivstudie besonders Michael A. Meyers vierbändige German-Jewish History in Modern Times, Mordechai Breuers Modernity Within Tradition und David Sorkins The Transformation of German Jewry, 1780–1840.

Handel und Bürgerschaft

Ein jüdisches Familienunternehmen konnte zutiefst deutsch, sichtbar jüdisch und ganz Teil seiner Stadt sein.

Keine erhaltene Quelle beschreibt, wie der Haushalt Reichenbach das Judentum praktizierte. Stadt-, Gemeinde- und Familienunterlagen zeigen dennoch die öffentlichen und jüdischen Welten um ihn.

Der Novemberpogrom in einer städtischen Akte

Gewalt wurde Verwaltung.

Die 1712 eingeweihte Synagoge wurde am 9.–10. November 1938 geschändet und geplündert. Nur weil Flammen die umliegenden Fachwerkhäuser bedroht hätten, wurde sie nicht angezündet. Am 18. November ordnete die Baupolizei den Abriss an; am folgenden Tag begannen die Arbeiten, für die die jüdische Gemeinde zahlen musste.

Die Akte reicht bis zum 29. Juni 1939 und dokumentiert Demontage und Wiederverwendung der Baumaterialien.

Diese Baupolizeiakte verzeichnet die am 18. November 1938 ergangene Anordnung für die Synagoge in der Bakenstraße 56. Städtische Beamte übersetzten die im Pogrom zugefügte Zerstörung in Verwaltungssprache über Sicherheit und Ordnung. Die Akte dokumentiert den Abrissvorgang, keine zufällige Ruine.Quelldatensatz öffnen RB-DOC-0203

Abrissakte

Die Worte der Anordnung

„… dass das Gebäude in seinem heutigen Zustand eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bedeutet.“

„… dass das Gebäude in seinem heutigen Zustand eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bedeutet.“

Die Anordnung behandelte die durch antijüdische Gewalt geschaffene Ruine als baupolizeiliches Problem. Zudem beklagte sie—226 Jahre nach Einweihung der Synagoge—das Gebäude sei in dem engen Block „ohne Rücksicht“ errichtet worden und entziehe der Nachbarschaft „Luft und Licht“.

Datensatz bei museum-digital öffnen ↗

Synagogengedenkseite des Berend Lehmann Museums besuchen ↗

Zwei erhaltene Ansichten danach

Die Anordnung lässt sich neben ihren Folgen lesen.

Eine kleine Fotografie zeigt den geplünderten Innenraum; die andere Arbeiter beim Abtragen des geöffneten Dachs. Die genauen Signaturen und Fotografen sind ungelöst. Deshalb zeigt die Website die niedrig aufgelösten Forschungskopien ohne Vergrößerung und nennt diese Grenze in jedem Datensatz.

Die Fotografien sind Belege für dieses Gebäude, keine allgemeinen Illustrationen des Novemberpogroms. Ihr Quellenlink führt zur DenkOrt-Geschichte des Museums, während die Ermittlung der Einzelsignaturen fortgesetzt wird.

Diese niedrig aufgelöste Forschungskopie zeigt einen nicht identifizierten Mann zwischen Trümmern im Innern des geschändeten Synagogenraums. Ein unbekannter Fotograf hielt das physische Ergebnis des Novemberpogroms fest. Das Bild zeigt die Zerstörung, doch sein Datum, die verwahrende Stelle, die Inventarnummer und die Identität des Mannes bleiben ungeklärt.Quelldatensatz öffnen RB-PHO-0267
Diese historische Fotografie zeigt Arbeiter beim Abtragen des freigelegten Dachs, nachdem Halberstadt den Abriss der Synagoge angeordnet hatte. Ihre Arbeit macht die administrative Zerstörung physisch sichtbar. Das Bild identifiziert weder die Arbeiter noch den genauen Tag, und seine ursprüngliche verwahrende Stelle bleibt unverifiziert.Quelldatensatz öffnen RB-PHO-0268

Zerstörung und was bleibt

Die Synagoge wurde geplündert; ihre Torarollen wurden zerstört oder bleiben verschollen.

Erhaltene Vorhallenwand, Klaus, Mikwenhaus, Friedhof, Synagogengrund und Gedenkorte bilden eine Erinnerungslandschaft. Das Familienarchiv ergänzt diese öffentlichen Spuren um private Fotografien, Geschäftsobjekte und Briefe. So können Besuchende zwischen Stadtgeschichte und den Belegen eines Haushalts wechseln.