Er wirkte bei J. Reichenbach und im jüdischen Gemeindeleben Halberstadts.

Ludwig Reichenbach

ca. 1846 — 7. Mai 1920

Ludwig arbeitete bei J. Reichenbach, besaß Martiniplan 10 und diente den jüdischen Sozial- und Wohlfahrtseinrichtungen Halberstadts. Mit Lina oder Pauline Asch war er Vater von Paula, Antonie und Kurt.

FamiliePaulaKurt

Das Halberstädter Adressbuch von 1905 führt Ludwig Reichenbach als Kaufmann bei J. Reichenbach, dem Hoflieferanten für Herren- und Damenmoden am Hohen Weg 27, und nennt ihn im Vorstand des eingetragenen Casino-Vereins. Das Casino war ein bedeutendes Zentrum jüdischen Gesellschaftslebens, in dem Familienfeiern, Vorträge und Veranstaltungen stattfanden und ein koscheres Restaurant betrieben wurde. 1914 nennt das Adressbuch Ludwig und Willy Reichenbach als Inhaber von J. Reichenbach und führt Ludwig erneut im Casino-Vorstand sowie im Vorstand von Neweh Menuchoh, dem mit dem jüdischen Altersheim Halberstadts verbundenen Verein. Diese Ämter belegen anhaltende Verantwortung in den jüdischen Sozial- und Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt; sie beschreiben nicht Ludwigs gesamte religiöse Praxis oder Politik. Der Eintrag belegt Willy als Inhaber, klärt aber nicht seinen Platz im Stammbaum. Ein Grundbuchauszug führt Ludwig 1920 als eingetragenen Eigentümer von Martiniplan 10.

Ludwigs Halberstädter Sterbeurkunde Nr. 359 hält fest, dass er am 7. Mai 1920 um 14:30 Uhr im Alter von vierundsiebzig Jahren am Lindenweg 42 starb. Sein Schwiegersohn Georg Wollenberg aus der Wollstraße 11 zeigte den Tod an. Die Urkunde nennt Jakob Reichenbach und Helene Heinemann ausdrücklich als Ludwigs Eltern und belegt ihn damit unabhängig als Bruder von Adolf und Salomon Gustav; aus dem Alter ergibt sich ein geschätztes Geburtsjahr 1846.

Drei Halberstädter Geburtsurkunden belegen Ludwig und Lina oder Pauline geb. Asch als Eltern von Paula, Antonie und Curt, der später als Kurt geführt wurde. Paulas Urkunde Nr. 343 vom 18. April 1877 nennt Hoheweg 24 und den Namen Lina. Antonies Urkunde Nr. 312 vom 6. April 1879 nennt dieselbe Adresse und schreibt Pauline. Curts Urkunde Nr. 535 vom 26. Mai 1889 verortet Ludwig und Pauline am Hoherweg 47. Die ersten beiden Urkunden führen den Haushalt als jüdisch (mosaisch); gemeinsam stimmen die drei standesamtlichen Geburten nun mit dem auf der Suchkarte von 1945 genannten Geschwisterverhältnis überein.

Ein Familienstammbaum nennt den 4. Dezember 1918 als Linas Todestag, während das Register des jüdischen Friedhofs Halberstadt Lina Reichenbach geb. Asch in Feld II 9 mit dem 14. Dezember 1918 verzeichnet. Der genaue Tag bleibt deshalb vorbehaltlich des ursprünglichen standesamtlichen oder Friedhofsdokuments ungeklärt.

Familie und Haushalt

Menschen, die mit diesem Leben verbunden sind

Quellen

Quellen

  • Halberstädter Adressbücher, 1905 und 1914
  • Grundbuchauszug Martiniplan 10
  • Germany, Saxony-Anhalt, Halberstadt, Civil Registration, 1874–1982, Sterbeeintrag 359 für Ludwig Reichenbach, 7. Mai 1920 (FamilySearch)
  • Halberstädter Geburtsurkunde Nr. 343 für Paula Reichenbach, 18. April 1877 (FamilySearch)
  • Halberstädter Geburtsurkunde Nr. 312 für Antonie Reichenbach, 6. April 1879 (FamilySearch)
  • Halberstädter Geburtsurkunde Nr. 535 für Curt Reichenbach, 26. Mai 1889 (FamilySearch)
  • Suchkarte des National Refugee Service, Arolsen Archives DocID 131596011
  • Reichenbach-Familienstammbaum
  • Register des jüdischen Friedhofs Halberstadt

Was ungeklärt bleibt

Ludwigs Elternschaft ist durch seinen standesamtlichen Sterbeeintrag belegt; die Elternschaft von Paula, Antonie und Kurt durch drei Geburtsurkunden. Die Urkunden schreiben 1877 Lina und 1879 sowie 1889 Pauline; sie verorten die Familie 1877 und 1879 am Hoheweg 24 und 1889 am Hoherweg 47. Das Todesdatum 4. Dezember 1918 im Stammbaum widerspricht dem Friedhofsregister mit dem 14. Dezember.