Das Album bietet Worte für die Trauertage

Diese Seite des Trauer-Albums der Familie zeigt das Gebet mit der Überschrift „Gebet in den Trauertagen“. Der Band wurde für Paul Reichenbach fertiggestellt und von seiner Familie verwahrt. Das gedruckte Gebet bot Sprache für die Trauer, doch die Seite kann uns nicht sagen, wer es vorlas.

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Deutsche Lesung

Gebet in den Trauertagen Du, mein Herr! Mein Gott! Gebrochen und von Schmerz gequält, bete ich vor Dir. Vom Weinen erschöpft, sehnt sich mein gepeinigtes Inneres zutiefst nach Linderung. Nirgends finde ich Heilung für meine Wunde noch Trost für meinen Kummer. Nein, ich kann mich nicht mit dem grausamen Gedanken abfinden, dass ich hier unten das geliebte Angesicht nie wieder sehen soll. Ich wähne mich von einem bösen Traum gequält und warte und hoffe, dass dieses erschreckende Bild sich auflösen und ich zu einer friedlichen Wirklichkeit erwachen werde. Doch alles ist vergebens. Das öde Leben zerreißt mir das Herz aufs Neue, und unaufhaltsam brechen die Tränen aus meinen Augen. In bitterem Leid beklage ich mein verlorenes Glück und kann mir nicht vorstellen, wie ich die unendliche Last meines Verlustes tragen soll. Herz und Seele sind mir voll von Erinnerungen – meine Gedanken sind bei ihm (ihr). Ich fühle seinen (ihren) liebevollen Blick auf mir ruhen; ich meine den Druck seiner (ihrer) treuen, lieben Hand zu spüren; ich fühle seine (ihre) Lippen auf meinen Lippen; ich sehe seine (ihre) lieben Züge und lächelnden Augen. Du, mein Herr! Mein Gott! Welche Sünde habe ich, Dein schwacher Knecht, begangen, dass Du mich so hart heimgesucht, mir mein irdisches Glück genommen und mein Liebstes und Teuerstes ins Grab gelegt hast? Für welche schwere Schuld muss ich mit solch furchtbarer Seelenqual büßen, da Du zuließest, dass die kalte Erde den teuren Leib bedeckt, den ich, wenn ich es vermöchte, mit meinem heißen Atem zu neuem Leben erwecken würde und für den ich Blut von meinem Blute und Fleisch von meinem Fleische als Lösegeld gegeben hätte? O barmherziger Gott, gehe nicht hart mit mir ins Gericht, weil ich mich gegen Deinen Ratschluss auflehne, ich, ein nichtiges Stäubchen. Mein Vater im Himmel, nimm die Worte nicht als Murren – nur als das trauernde Stöhnen meines Mundes. Ich weiß und fühle sehr wohl, dass der letzte Zweck Deiner Beschlüsse unergründlich ist und dass im unendlichen Weltall kein Vogelflügel ohne weise Absicht schlägt. Du teilst Freuden aus und erfüllst unsere liebsten Hoffnungen; doch Du nimmst uns auch unsere Lieben und wandelst unsere Fröhlichkeit in Stöhnen und Weinen. Du weißt, wodurch wir Gnade verdient haben und aus welchem Grunde Du uns mit Deiner flammenden Geißel schlägst. Nicht in aufrührerischem Sinne weine ich meine endlose Klage vor Dir, mein Gott. Ich suche die Gerechtigkeit Deiner Urteile nicht zu ergründen. Vergib mir und sei mir gnädig, denn ich bin ein kleiner und gebrechlicher Mensch, und mein Herz ist nicht von Eisen. Wie der im Käfig gefangene Vogel tausendmal seinen sich mühenden Flügel gegen die Gitterstäbe schlägt, so sucht meine Seele Erlösung aus dem bedrückenden Netz ihres Leidens. Ich suche Trost, mein himmlischer Vater, indem ich vor Dir weine und klage, und ich glaube, dass, wie edles Metall im reinigenden Feuer geläutert wird, auch meine Seele im glühenden Feuer meines Schmerzes geläutert werden wird.

Deutsche Wiedergabe der englischen Lesung des Archivs; keine diplomatische Transkription des Originals.

Englische Übersetzung

Prayer in the days of mourning You, my Lord! My God! Broken and tormented by pain, I pray before You. Exhausted by weeping, my tortured inner being longs deeply for relief. Nowhere do I find healing for my wound or comfort for my sorrow. No, I cannot reconcile myself to the cruel thought that here below I shall never again see the beloved face. I believe myself tormented by a bad dream and wait and hope that this frightening image will dissolve and that I shall awaken to a peaceful reality. Yet all is in vain. The desolate life tears my heart anew, and tears break uncontrollably from my eyes. In bitter grief I lament my lost happiness and cannot imagine how I shall bear the infinite weight of my loss. My heart and soul are full of memories—my thoughts are with him (her). I feel his (her) loving gaze resting on me; I imagine the pressure of his (her) faithful, dear hand; I feel his (her) lips upon my lips; I see his (her) dear features and smiling eyes. You, my Lord! My God! What sin did I, Your weak servant, commit that You have visited me so harshly, taken my earthly happiness from me, and laid my dearest, most beloved one in the grave? For what grave sin must I atone with such terrible anguish of soul, since You permitted the cold earth to cover the dear body that, if I could, I would awaken to new life with my hot breath, and for whom I would have given as ransom blood of my blood and flesh of my flesh? O merciful God, do not sit in harsh judgment over me because I struggle against Your decree, I, a vain speck of dust. My Father in heaven, do not take the words as murmuring—only as the grieving groan of my mouth. I know and feel very well that the ultimate purpose of Your decrees is unfathomable and that no bird’s wing flutters in the infinite universe without a wise purpose. You distribute joys and fulfill our cherished hopes; yet You also take our loved ones and turn our gladness into groaning and weeping. You know by what we have earned grace and for what reason You strike us with Your flaming scourge. I do not weep my endless lament before You in a rebellious spirit, my God. I do not seek to fathom the justice of Your judgments. Forgive me and be gracious to me, for I am a small and frail human being and my heart is not made of iron. As the bird imprisoned in a cage beats its straining wing against the bars a thousand times, so my soul seeks deliverance from the oppressive net of its suffering. I seek comfort, my heavenly Father, by weeping and lamenting before You, and I believe that, as noble metal is refined in cleansing fire, my soul too will be purified in the glowing fire of my pain.

English of the legible text, prepared for the Reichenbach Family Archive.

Texthinweis

Texthinweis

Archivsignatur
RB-PHO-0126
Datum
Gewidmet nach dem Tod Paul Reichenbachs im Jahr 1935
Digitales Bild
1600 × 1779 Pixel
Belegstatus
Primäres familienverwahrtes Objekt
Quelle und Provenienz
Familienverwahrter gedruckter jüdischer Trauerband, Paul Reichenbach gewidmet.
Bildnachweis
Reichenbach Family Archive
Rechte
Keine separate Nachnutzungslizenz ist verzeichnet; vor einer Nachnutzung ist das Archiv zu kontaktieren.
Bildbearbeitung
Publikationsderivat vom inventarisierten Scan oder von der Archivfotografie; Ausrichtung geprüft; keine generative Veränderung.

Dasselbe Leben

Veröffentlicht nach den sieben redaktionellen Regeln.

Dauerhafte Zitierung

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Reichenbach Family Archive. “Das Album bietet Worte für die Trauertage.” Gewidmet nach dem Tod Paul Reichenbachs im Jahr 1935. RB-PHO-0126. https://www.reichenbacharchive.org/de/objects/rb-pho-0126.

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