Sie lebte über dem Bekleidungsgeschäft in der Breiten Straße 7.

Martha Reichenbach née Pohly

15. November 1889, Göttingen — am 3. März 1943 aus Berlin deportiert

Martha war Fritz’ Ehefrau und Werners Mutter. In Berlin führte sie als Arbeiterin und Untermieterin in der Normannenstraße 2 ein eingeschränktes Leben, bevor die Gestapo ihr Eigentum einzog und die Berliner Deportationsliste sie einem nach Auschwitz eingestuften Transport zuordnete.

Ein Auschwitz zugeordneter Transportdatensatz nennt sie. Dieses Archiv löst ihr Schicksal über diese Akte hinaus nicht auf.LagerFamilie

Martha Pohly wurde am 15. November 1889 in Göttingen geboren. Sie heiratete Fritz Reichenbach und lebte über dem Bekleidungsgeschäft in der Breiten Straße 7. Ihr Sohn Werner wurde 1914 in Wernigerode geboren.

Nachdem Fritz in Buchenwald ermordet worden war, lebte Martha in Berlin. Ihre Vermögenserklärung führt sie als jüdische Arbeiterin und Untermieterin in der Normannenstraße 2 mit 45 RM Miete und nennt Erna Müller als letzte Arbeitgeberin.

Am 1. Februar 1943 ordnete die Gestapo in Berlin an, ihr gesamtes Vermögen zugunsten des Reiches einzuziehen. Das Aktenzeichen O 5205–47/30129 gehört zur Berliner Welle 47: dem 33. Osttransport vom 3. März 1943, der Auschwitz zugeordnet wurde.

Monate nach dem Transport überwies die Commerzbank Wernigerode ihr Guthaben von 36.884,91 RM und 527,67 RM Zinsen, insgesamt 37.412,58 RM, an die Oberfinanzkasse. Die Haushaltsakten reichen bis 1944. Sie dokumentieren, wie das Reich ihr Eigentum eintrieb; sie sind kein Beleg dafür, dass Martha noch in Berlin lebte.

Der am 14. April 2009 verlegte Wernigeröder Stolperstein in der Breiten Straße 7 trägt die Angabe „tot 1944 bei Bombenangriff“. Lokale Darstellungen wiederholen sie, während das Gedenkbuch des Bundesarchivs den 3. März 1943 und Auschwitz nennt. Die Berliner Stolperstein-Biografie zur Normannenstraße 2 gibt an, Martha sei 1943 in Auschwitz gestorben. Die Primärquellen dieses Archivs sind die OFP-Akte 30792 mit dem Gestapo-Bescheid vom 1. Februar 1943 und die Berliner Deportationsliste für den 33. Osttransport vom 3. März 1943. Arolsen DocID 127212607 nennt Martha unter der laufenden Nummer 963; das Feld für die Häftlingsnummer bleibt leer. Ein Auschwitz-Zugangsdatensatz wurde nicht gefunden.

Familie und Haushalt

Menschen, die mit diesem Leben verbunden sind

Quellen

Quellen

  • Peter Lehmann, Harz-Forschungen XXXVI (2023)
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Rep. 36A (II) 30792
  • Arolsen Archives DocID 127212607
  • Bundesarchiv Gedenkbuch en1138520
  • Berliner Stolperstein-Biografie für Normannenstraße 2
  • Wernigeröder Stolperstein, verlegt am 14. April 2009, und lokale Gedenktexte
  • Rückerstattungsakte der Familie

Was ungeklärt bleibt

Die Akte ordnet Martha am 3. März 1943 der nach Auschwitz eingestuften Transportserie zu; sie dokumentiert weder ihre letzte Stunde noch eine Registrierung bei der Ankunft. Weder Häftlingskarte noch Totenbuch-, Nummernbuch- oder Zugangseintrag wurden gefunden; die Deportationsliste lässt „Häftlingsnummer“ leer. Die Nachkriegsakte T/D 743.670 ist ein Suchfall, kein Lagerzugang. Der Wernigeröder Stein von 2009 trägt eine lokale Angabe, der diese Akte widerspricht.

Primärquelle · 1. Februar 1943

Der Bescheid, der Marthas Eigentum einzog

Der Bescheid nennt Martha, ihren Geburtsort und ihr Zimmer in der Normannenstraße 2 und zieht anschließend ihr gesamtes Vermögen zugunsten des Reiches ein. Die Sprache des Staates steht neben der Seite, die sie trug.

Der Gestapo-Bescheid nennt Martha Sara Reichenbach geb. Pohly, geboren am 15. November 1889 in Göttingen, und ihre letzte Adresse Normannenstraße 2 in Nikolassee. Er zieht ihr gesamtes Vermögen zugunsten des Deutschen Reiches ein.RB-SCAN-OFP-MARTHA-VERFUEGUNG
Deutsche Transkription

Verfügung.

[…] das gesamte Vermögen der Martha Sara Reichenbach geb. Pohly, geboren in Göttingen, geboren am 15.11.89, zuletzt wohnhaft in Nikolassee, Normannenstr. 2, zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen.

Vorhandene englische Übersetzung

Order.

[…] The entire property of Martha Sara Reichenbach née Pohly, born in Göttingen on 15 November 1889, last resident in Nikolassee, Normannenstraße 2, is confiscated for the benefit of the German Reich.

Die Auslassungspunkte markieren die gedruckte juristische Präambel. Transkription und englische Lesung geben den fallspezifischen Text wieder; maßgeblich bleibt der Scan.