Ernst wuchs am Hohen Weg 27 auf und verbrachte sein Berufsleben in den Halberstädter Geschäften der Familie. Er unterschrieb die Heiratsurkunde seiner Nichte Ruth und teilte das Damenmodegeschäft mit seinem Bruder Paul.
Ernsts Arbeitsleben in den Familiengeschäften endet in einem Berliner Sterbedatensatz, der keine Todesursache nennt.FamilieLudwig
Ernst Reichenbach wurde am Hohen Weg 27 geboren. Halberstädter Adressbücher nennen Paul und Ernst 1914 und 1928 gemeinsam als die Männer, die Pauls Damenmodegeschäft am Hohen Weg 27 und Martiniplan 10 führten. Die Einträge teilen ihre Anteile nicht auf, verorten die Brüder aber bei der Arbeit in denselben Räumen.
1928 spendeten Paul und Ernst jeweils zehn Goldmark für eine Neujahrssammlung des Keren Kajemeth. Ernst unterschrieb 1930 Ruths standesamtlichen Heiratseintrag und nach Pauls Tod 1935 die Trauerkarte der Familie. Ein Grundbuchauszug verzeichnet später ihn und Margarete als Eigentümer von Martiniplan 10.
Die Volkszählung von 1939 verortet Ernst und seine Frau Rosalie in der Hagenstraße 49 in Grunewald. Ein späterer Datensatz beginnt seine Zwangsarbeit am 5. November 1941. Ende 1942 lebte er in der Normannenstraße 2, dem Haus, in dem Max und Hedwig Harrwitz Zimmer an verfolgte jüdische Menschen vermieteten, nachdem sie zu dessen Verkauf gezwungen worden waren.
Eine Sterbekarte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin vermerkt „Verstorben 27.11.42“ und nennt Normannenstraße 2 als Ernsts letzte Adresse. Sie belegt seinen Tod, nennt aber weder Ursache noch Gewahrsam. Die Berliner Stolpersteine-Biografie gibt 1940 an; der datierte Beleg wird nicht verändert, um diesen Widerspruch aufzulösen.
Ein Familienmemorandum berichtet, Ernst sei in den Lagern gestorben. Die erhaltene Karte bestätigt diesen Bericht nicht, nennt aber auch keine andere Todesursache. Die Familienerinnerung bewahrte ebenfalls Rosalies Überleben und späteres Leben in Innsbruck; dies wird nun durch ihren Transportdatensatz von 1944 und den Bundesarchiv-Eintrag mit dem Vermerk „überlebt“ gestützt.
Familie und Haushalt
Menschen, die mit diesem Leben verbunden sind
- Rosalie Reichenbach née Rosenberg · Ehefrau
- Paul Reichenbach · Bruder und Geschäftspartner
- Ruth Helene Reichenbach · Nichte; Ernst war Zeuge ihrer Heirat 1930
Quellen
Quellen
- Ahnentafel
- LBI-Simonis-Tafel
- Halberstädter Adressbücher, 1914 und 1928
- Jüdische Rundschau, 21. September 1928, S. 538
- Ruths Heiratsurkunde
- Grundbuchauszug Martiniplan 10
- Volkszählung 1939, Hagenstraße 49
- Zwangsarbeitsdatensatz ab 5. November 1941
- Arolsen Archives, DocID 12669406
- Berliner Stolpersteine-Biografie zu Maximilian Harrwitz und Normannenstraße 2
- Transport- und Bundesarchivunterlagen zu Rosalie Reichenbach
- Oral History mit Susan Reichenbach Heyman, 5. August 2026
Was ungeklärt bleibt
Die Sterbekarte belegt den 27. November 1942 in Berlin, aber weder Ursache noch Gewahrsam; der in der Familie überlieferte Tod im Lager bleibt ein eigener Bericht. Die Angabe 1940 in der Stolpersteine-Biografie widerspricht der datierten Karte.